Chey Darko: normal

Veröffentlicht: Juni 29, 2010 von Big CHB in reflecting Darko

Es gibt kaum ein Wort das in seiner Simplizität und Glorifizierung so weitreichende und bedeutungsschwangere Folgen haben kann wie „normal“ bzw. „normal sein“.
Eltern haben den Wunsch, dass Kinder „normal“ werden, dass sie ein normales Leben führen. In der Pubertät – sowie davor und meistens auch danach – haben wir den Wunsch zugehörig zu sein – ein Teil eines Kollektivs zu sein oder respektive zu werden. Dieses Gefühl, das in der Pubertät überdurchschnittlich stark ausgeprägt zu sein scheint, kontrolliert sogar teilweise unsere Handlungen und scheint unser Denkvermögen zu blockieren. Dieses Verhalten ist so weit verbreitet und allgemein „akzeptiert“, dass sich der dadurch entstehende Begriff Gruppenzwang umgangssprachlich etabliert und eingebürgert hat. Jeder kennt aus seiner eigenen Historie Situationen, in denen er dem Gruppenzwang unterlegen war. Man will zu der Gruppe gehören, also macht man was die Gruppe will. Die Gruppe bestimmt die Standards, legt die Werte fest – sie bestimmt was „normal“ ist.

In einem größeren Rahmen gesehen bedeutet das, dass die Gesellschaft bestimmt was normal ist und was nicht. Durch die Interaktion der Menschen, der Erziehung, der sozialen Umgebung und durch den Kulturkreis werden verschiedene Werte vorgegeben und von uns verinnerlicht.
Es ist beispielsweise nicht „normal“, dass man die Nacht über arbeitet oder aufbleibt.
Es ist nicht normal, dass man mehr Zeit am Computer verbringt als mit echten Menschen.
Es ist nicht normal anders auszusehen.
Die Liste kann man beliebig weiterführen.

Die Menschen haben Angst anders zu sein. Ich denke jeder hat das am eigenen Leib schon erfahren, sei es durch ein eigenes Gedankengebilde oder durch Außenstehende. Es ist schlichtweg bemerkenswert wie viel gerade alte, konservative Kräfte und Menschen Wert auf ein „normales“ Da-Sein legen. Wie sehr sich Eltern wünschen, dass ihr Kind normal wird. Und wie wenig sich das legt. Warum ist das eigentlich so?

Die Menschen, die uns bewegen und die viel bewegt haben, sind anders. Man muss ja nur auf die sogenannten „Nerds“ schauen: Ein Bill Gates oder ein Steve Wozniak sind die Prototypen eines Selbigen. Diese Menschen haben durch ihre Obsession für die Technik und dem eigenen Erfolg die letzten Jahrzehnte maßgeblich mitbestimmt. Durch sie hat der Computer in unser aller Leben Einzug gehalten. Wenn man die Jungs auf Fotos sieht(von damals) ist jedem auf dem ersten Blick klar: „Die sind nicht normal.“ Doch warum?
Oder nehmen wir Künstler, die uns wirklich inspirieren. Schriftsteller arbeiten oft anders als „normale“ Menschen, arbeiten in der Nacht oder sehr chaotisch, hören laute Musik oder arbeiten sehr zurückgezogen. Richtige Regie(pseudo)künstler wie David Lynch inspirieren durch ihre Einstellungen, sprich Bilder, oder durch ihre Geschichte oder Intention. Lynch ist bekannt dafür, dass er sich zuerst Bilder ausdenkt und dann eine spannende, sowie zum nachdenken-anregende, oft „lückenhafte“ Geschichte ausdenkt. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür dürfte Tim Burton sein, der Hollywood und „Kunst“ zu vereinen versucht. Es sind solche Leute, die uns inspirieren und weiterbringen und nicht ein Michael Bay, der zwar durch actiongeladene Explosionsarien auf den Bildschirmen durchaus unterhalten kann, aber keineswegs zum Nachdenken anregen kann. Schon alleine durch etwaige, berühmte Fotografien kann Max Mustermann feststellen, dass Tim Burton und David Lynch anders aussehen (und sich anders geben) – Michael Bay hingegen hinterlässt einen eher schlichten und „normalen“ Eindruck .

Es sind die Leute, die nicht normal sind, die uns vorwärts bringen. Forscher, Künstler und Extrovertierte bescheren uns Fortschritt, Bequemlichkeit, Faszination und vieles mehr. Und wir wollen normal sein?

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