Mit ‘Desperado’ getaggte Beiträge

Das Gefühl der inneren Leere ist eine Form der chronischen Depression, so als trauere man ständig um den Verlust des eigenen, wahren Selbst.
John Bradshaw, Das Kind in uns

Vor allem der letzte Teilsatz erschließt sich mir vollkommen: „so als trauere man ständig um den Verlust des eigenen, wahren Selbst“.  Ich weiß nicht, ob man das wirklich nachvollziehen kann ohne es selbst jemals gespürt zu haben – ich denke schon. Denn auf der Suche nach sich selbst ist jeder von uns. Es beginnt (und endet günstigenfalls) in der Pubertät. Leider ist der oft schmerzerfüllte und erkenntnisreiche Prozess des Ich-Findens nicht einfach vorbei und verschwindet dann in den Ruhestand – nein, er kommt wieder.  In meinem Fall ist es ein ständiger innerer Kampf um sich selbst treu zu bleiben und dennoch alles irgendwie so hinzukriegen, dass es verträglich wird.
Das alles dient jedoch immer dem großen Ganzen: dem großen Problem der individualistischen, aufgeklärten Gesellschaft – sich selbst sein – in der reinsten und aufrichtigsten Form! Über diese Erkenntnis sollte man doch dann auch das Glück erlangen, von dem die ganze Menschheit träumt.

„Glück ist das Zusammentreffen von Phantasie und Wirklichkeit.“
Alexander Mitscherlich (1908-82)

Für einen von fantasiel(i)ebenden und -trachtendem Menschen wie mich eine wahrhaftige Vorstellung. Dennoch trifft diese Aussage, meiner Meinung nach, auf alle zu. Denn ich verstehe hier Phantasie nicht als die naive Vorstellung eines Reiches von Zwergen und Hobbits, sondern die Gedankengebäude innerhalb unseres seelischen Wohlbefindens. Sprich: Jeder hat eine Vorstellung von sich selbst, eine Sichtweise, die er gerne erfüllt sehen würde. Der Eine wäre gerne ein hochintellektueller Halbphilosoph und der Andere ein ausgebuchter Pornodarsteller – der Dritte möglicherweise alles zusammen. Nur wenn diese Art von Phantasie mit der Wirklichkeit zusammentrifft kann das glückliche Seelenleben stattfinden. Dabei spielt die objektive Wirklichkeit keine Rolle, sondern es zählt die Wahrnehmung dessen.

„Phantasie ist unser guter Genius oder unser Dämon.“
Immanuel Kant(1724 – 1804)

In diesem Zusammenhang muss man die Aussage des großen Kant unterstreichen: Anspruchsvolle, verrückte oder wahrnehmungsgestörte, sowie unrealistische Fantasien, die wir auf uns projizieren, sind für unsere innere glücklich-unglücklich Waage Gift. Ich bin ein fantasievoller, kreativer Mensch(ja, wirklich!) und für meine Arbeit als Geschichtenschreiber oder für Videoprojekte mag das wunderbar sein – es ist sogar fantastisch. Aber wenn die Fantasie sprudelt hat das auch die Schattenseiten, die ich gerade aufgezählt habe.

„I know its raining baby
I am stripped of all my pride
I stand here at your door
Sick of all the lies
Forget about the past
Forget about the guilt
I am going back to the house
That love built“
Tito Larriva

Wenn Sie es können, wenn ihr es könnt, wenn ich es kann: steckt eure Pfote in die Hose und bleibt locker. Der gute Tito hat Recht(auch wenn dies aus dem Kontext gerissen ist): Vergesst die Vergangenheit, vergesst eure Schuld(die ihr möglicherweise euch selbst gegenüber aufgebaut habt) und geht dorthin zurück, wo man euch mag. Geht zu dem Haus, dem Platz, das Liebe aufgebaut hat – euch gegenüber oder einer Sache gegenüber, die ihr sehr gerne habt. Entspannt euch und überarbeitet euer Selbstbild.
Macht euch nicht zu viel Druck. Wenn ihr was auf dem Kasten habt, dann kommt das früher oder später raus. Lasst die Wirklichkeit Fantasie werden und umgekehrt! Dann wird die Zukunft rosig sein.Denn das Wichtigste ist doch ….   hmmm nein, das sage ich nicht selber. Die wichtigste Aussage im Zusammenhang mit Zukunft tätigte vor einiger Zeit der wohl größte Philosoph unserer Zeit:

Das bedeutet, dass deine Zukunft bis jetzt noch nicht geschrieben ist! Wie bei allen Menschen. Deine Zukunft ist immer das, was du daraus machst! Also gebt euch ein bischen Mühe
Dr. Emmet Brown, aus Zurück in die Zukunft III

„Wer sagt, dass Zufriedenheit eine tolle Sache ist, sollte wissen, dass jene, die zufrieden sind, aufhören, kreativ zu sein.“
Schimon Peres